„Ein Pferd, das an Magnesiummangel leidet, ist nicht bösartig. Es ist nervös, überreagiert auf Kleinigkeiten, ist schwer zu reiten. Wenn man das erkennt und gezielt ausgleicht, verändert sich das Tier innerhalb von Wochen. Das erlebe ich immer wieder.“
Pferde sind Hochleistungstiere – ob im Sport, in der Freizeit oder einfach als Begleiter. Ihr Körper hat einen enormen Bedarf an Mineralien und Spurenelementen, der durch normales Heu, Stroh und Standardkraftfutter oft nicht gedeckt wird. Besonders in der heutigen Zeit, wo Böden durch intensiven Ackerbau ausgezehrt sind, ist das ein ernstes Problem.
Die kritischsten Mineralien für Pferde
Magnesium – der unterschätzte Nervenregulator: Magnesiummangel ist bei Pferden weit verbreitet und wird chronisch unterschätzt. Symptome: Nervosität, Überreaktionen (besonders auf akustische oder optische Reize), Muskelverspannungen, Zähneknirschen, schlechte Erholung nach Belastung. Grasreiche Fütterung im Frühling, wenn der Kaliumgehalt im Gras hoch und der Magnesiumgehalt niedrig ist, verschlimmert den Mangel.
Zink – für Haut, Fell und Immunsystem: Zinkmangel zeigt sich bei Pferden in schuppiger, rissiger Haut, Strahlfäule, langsam nachwachsenden Hufen und häufigen Infekten. Viele Böden in Deutschland sind zinkarm – was sich direkt im Futter niederschlägt.
Selen – kritisches Antioxidans: Deutschland ist bekannt für selenarme Böden. Selenmangel beim Pferd kann zu Muskeldystrophie (Weißmuskelkrankheit) führen, besonders bei Fohlen. Aber auch subtile Formen – reduzierte Leistungsfähigkeit, schlechte Erholung, geschwächtes Immunsystem – sind häufig.
Kupfer: Essentiell für Bindegewebe, Knorpelbildung und Fellpigmentierung. Mangel zeigt sich in bleichendem Fell, Gelenkproblemen und rissigen Hufen.
Eisen: Häufig falsch eingeschätzt – viele Pferdebesitzer geben Eisen zu, obwohl ein Überschuss die Aufnahme von Zink und Mangan blockiert. Eisengabe nur nach Blutbild!
Warum handelsübliche Mineralfutter oft nicht reichen
Die meisten Mineralfutter auf dem Markt sind auf Durchschnittswerte ausgelegt. Sie decken Grundbedarfe – aber individuelle Mängel, die durch Boden, Region, Futterzusammensetzung und individuellen Stoffwechsel entstehen, gleichen sie nicht aus.
Dazu kommt die Bioverfügbarkeit: Mineralien in anorganischer Form (Oxide, Sulfate) werden vom Pferdekörper deutlich schlechter aufgenommen als organische Verbindungen (Chelate, Glycinate). Ein hoher Gehalt auf dem Etikett bedeutet nicht automatisch hohe Versorgung im Körper.
Was ich empfehle
Blutbild als Ausgangspunkt – nicht raten, sondern messen. Ein Pferdeblutbild inkl. Mineralstoffprofil gibt Klarheit. Dann gezielt ergänzen, hochwertig und in bioverfügbarer Form. Und: regelmäßig kontrollieren, da Bedarf je nach Jahreszeit, Belastung und Futterwechsel schwankt.